Selbstbewusstsein durch Nähbloggen

Was hat das mit unseren Strickblogs scheinbar nahverwandte Nähbloggen mit Selbstbewusstsein zu tun?

Was sind eigentlich „Nähnerds“ und wer nennt sich (freiwillig) so?

Wer ist Frau Crafteln und wer findet sie, genau wie ich, klasse?

Und: was wir StrickerInnen daraus lernen können…

Was Nähnerds sind, beschreiben diese am Besten selbst. Ganz einfach nachlesen kann man das bei „Nahtzugabe„, die einen wunderbaren Test entworfen hat „Bin ich ein #nähnerd?“… den ich allen Interessierten nur empfehlen kann…übrigens, ich bin keiner;-), nur weil ich inzwischen auch schon mal eine Nähmaschine benutzt habe. (Würde man den Test auf Strickpersönlichkeiten übertragen, sähe das ganz anders aus, allerdings, aber das nur am Rande.)

Eigentlich kenne ich schon ganz lang Nähnerds, nur war mir das gar nicht bewusst. Seit mindestens 2-3 Jahren gucke ich nämlich in die Seite MeMadeMittwoch rein, ohne ( peinliches Geständnis ) je kapiert zu haben, was das eigentlich ist. (Wer lesen kann ist klar im Vorteil…gilt natürlich auch für mich!) Denn genau hier ist ein zentraler Sammelpunkt der „Nähnerds“, oder auch der deutschen Nähbloggerszene, der es genau NICHT nur darum geht, mittwochs irgendwelche Näh-FO’s zu zeigen, gar noch nach dem Motto „Ich kann’s schneller, komplizierter, mehr“, sondern, viel mehr anzuregen SICH mit seinen Werken und der Botschaft „Ich näh`mir die Welt, wie sie mir gefällt“ zu zeigen, und Andere anzuregen sich jenseits von Mode- und Schönheitsdiktaten individuell zu kleiden, Selbermachen als Möglichkeit der Unabhängigkeit zu sehen und das Selbstbewusstsein durch die Darstellung auf dieser Plattform zu stärken. 

Originaltext: „Der MMM soll Frauen ermutigen und inspirieren, ihre selbstgemachte Kleidung im Alltag zu tragen. Mitmachen ist einfach: Zieht an, was ihr für euch selbst genäht, gestrickt oder gehäkelt habt, postet Mittwochs ein Foto von eurem Outfit mit einer kleinen Beschreibung in eurem Blog und verlinkt euren Beitrag mit dem Linktool hier auf der Me-made-Mittwoch-Seite…Der Me-made-Mittwoch ist kein Wettbewerb! Macht euch keine Gedanken, ob ihr zu jung, zu alt, zu dick, zu dünn, zu schräg oder zu alltäglich seid. Erlaubt ist, was euch gefällt. Weder müsst ihr jedes Mal etwas neu Genähtes präsentieren, noch müsst ihr Profinäherinnen oder -strickerinnen sein oder in eine bestimmte Stilschublade passen. Der Me-made-Mittwoch soll euch Spaß machen und der Welt zeigen, wie schön und wie individuell Selbstgemachtes ist. Wir wünschen uns im Rahmen des Austauschs Bilder „an der Frau“, also an euch mit euren für euch gemachten Kleidungsstücken….P.S. Der Me-Made-Mittwoch lebt von der Entwicklung und vom Lernen: des Selbstbewußtseins und der Nähfertigkeiten.“

…und Meike Rensch-Bergner= „Frau Crafteln“ hat die Intention des Ganzen sogar in einem wunderbaren Vortrag auf der Internetkonferenz NEBENAN geschildert, das ist unbedingt mal ansehenswert, hier der – Youtube-link – (…im kleinen Blauen Selbstgeschneiderten natürlich!): „Wertschätzung ist unsere Währung. In Nähblogs geht es um mehr als schöne Klamotten: Eine Kultur des Miteinanders macht es möglich, Inhalte und damit ein Selbstbild zu produzieren, das sich von den medialen Vorbildern deutlich unterscheidet.

Ihr Nähnerds, ich bin begeistert! Nicht nur, dass Eure handwerklichen Fertigkeiten alleine schon aller Bewunderung wert sind, das Nähen auch in diesen Zusammenhang „Körperbilder-Frauenbilder-frauliches Selbstbewusstsein-Absage an die üblichen Schönheits-/Modebilder & die herkömmliche Präsentation von Mode“ zu stellen, ist schlicht genial! Und nachdenkens- und nachahmenswert! Denn selbstverständlich ist es, meiner persönlichen Erfahrung nach, leider nicht.

Bezogen auf die Strickerszene: Wo sind all die herrlichen Lacetücher, Pullover, Jacken, die von manchen fleißigen Strickerinnen über’s Jahr großteils im zweiteiligen Zahlenbereich genadelt werden?? Ich vermisse doch viel Selbstgestricktes im Straßenbild. Gar nicht so selten finden sich z.B. bei Ravelry Projektseiten mit 12-20 genadelten Tüchern, viele versierte Strickerinnen nadeln seit der Schulzeit und fünf Pullis im Jahr sind da Durchschnitt. Das wären schon in fünf Jahren alleine 60-100! Tücher und immerhin 25 Pullover…warum sehe ich nie welche? Auf der Straße begegnen mir mal Boshimützen und ein paar selbstgestrickte Schals oder Loops, mitunter allerdings so grob gestrickt, dass ich auch hier eher auf Bangladesh als auf „Mutti“ tippe. Will ich echtes Selbstgestricktes sehen, muss ich mich zumindest zu einem Stricktreffen bemühen. Ja, da tragen dann die Meisten Selbstgestricktes, aber lobt man das, bekommt man oft allzu Bescheidenes zu hören, und manch Eine verschweigt nicht, dass das gute Stück den Rest des Jahres doch eher im Schrank liegt.

Ich weiß nicht, wie es Anderen geht, aber ich habe schon oft gedacht, dass man doch mehr Selbstgestricktes im Alltag sehen müsste, wenn Alle ihre Sachen auch selbstbewusst ausführen würden. Oder? (Und was braucht man für Kleiderschränke, um 100 Tücher zu horten? Wieviele Tage braucht das Jahr, um die auch mehrfach an die frische Luft zu bringen? Aber das sind jetzt nur Rechnereien;-)).

Dabei wäre Wolliges genausogut wie Selbstgenähtes dazu geeignet, frauliches Selbstbewusstsein zu pflegen und zu zeigen, und sich schon mal einen Gutteil Einkaufsfrust zu ersparen. Und man könnte die strickenden KollegInnen viel besser erkennen, wäre das nicht schön? 

Für mich gilt „Hut ab“ vor der MeMadeMittwoch-Aktion und ihren Akteurinnen! Die haben für mich ab sofort Vorbildfunktion…und ich schaue mich heute noch nach einem Nähkurs um;-)

Aber das wollte ich ja sowieso. Und wer wie ich am Nähen interessiert ist (natürlich ist mir bewusst, dass auch einige StrickerInnen längst zur „Nähszene“ gehören), den interessiert vielleicht auch, dass eine der o.g. Teammitglieder, Lucy, einen hörenswerten Audio-Podcast betreibt, die „Nahtzugabe5cm“ … Ich bin leider noch nicht über die ersten zweiten Folgen hinausgekommen, aber so angetan, dass ich den auch „blind“ empfehle – hört doch mal rein, ich finde ihn sogar für (Noch-)Nichtnäher hörenswert! Wie Meike in ihrem Vortrag (s.o.) so wunderschön geschildert hat, können schließlich auch Hobbies von Anderen sehr inspirieren, selbst wenn sie sehr fremd sind (Was glaubt Ihr, wie ich letztlich doch noch beim Fußball landen konnte?;-)) 

 

In jedem Fall haben die NäherInnen Einiges zu bieten, was sich lohnt, weiter zu verfolgen….auch, wenn ich am Ende doch bei den Stricknadeln bleiben sollte.

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. streepie sagt:

    Ich bin (fast) tagtäglich in selbstgestrickten unterwegs – und wir reden jetzt nicht (nur) von Socken. Ich trage vorwiegend gestrickte Pullover und Tops, aus recht dünner Wolle (oder Baumwolle-Wolle-Mischung), darüber meist eine Strickjacke.
    Selbstgestrickte Schals, Mützen und Handschuhe im Winter sind natürlich Pflicht 😉

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    1. strickspleen sagt:

      Das finde ich einfach super, kann ich da nur sagen!
      Mit LG!

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  2. DamnedSnob sagt:

    Ich sehe mich ja mehr auf der Nähnerd- als auf der Stricknerdseite, weil ich das schon länger mache und besser kann. Ich bewundere den MMM auch sehr, könnte eigentlich auch jeden Tag mitmachen, allein mir fehlt die Muse zum Blog. Ich trage fast ausschließlich meine selbstgemachte Garderobe. Leute, die wissen, dass ich nähe fragen immer nach, ob ich etwas selbstgemacht habe, witzigerweise genau dann am häufigsten, wenn ich mal ein wirklich ausgefallenes Teil einer befreundeten Designerin trage. Wenn es tatsächlich selbstgemacht ist, kommt fast immer der Spruch, dass es ja gar nicht danach aussieht, sondern wie gekauft sei. Das macht mich eher etwas wütend, denn die Qualität und Passform meiner genähten Sachen ist viel besser als gekauft! In den Köpfen ist aber offensichtlich das Bild, dass selbstgemacht irgendwie immer nach den Resultaten der Anfangszeit aus dem Handarbeitsunterricht aussehen muss…

    Ich sehe gelegentlich an anderen Leuten Dinge, bei denen ich vermute, dass sie selbst genäht oder gestrickt sein könnten. Meist natürlich Socken, da sind selbstgestrickte recht deutlich erkennbar. Sehr selten Tücher. Was mich auch immer wundert, weil ja gefühlt unglaublich viele Tücher gestrickt werden. Schade.

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    1. strickspleen sagt:

      Ja, von Dir weiß ich das ja auch, dass Du Deine Sachen trägst…ich fürchte nur, Du bist da eher eine vorbildliche Ausnahme. Was Du vom Selbstgenähten und den „sieht-man-nicht-Kommentaren“ schreibst, kann ich gut nachvollziehen, beim Nähen ist der perfekte Sitz ja automatisch Ziel, da gibt’s sogar noch ein paar Unterschiede zum Selbst-Gestrickten, wo ja auch bei der Kaufware ein „handmade“- Look erwünscht ist, meistens. Aber man fragt sich echt, wo all die Martina-Behm-Tücher rumlaufen?! Also auch nicht im Norden der Republik? Echt jammerschade…aber danke für Deinen Kommentar, hat mir gut gefallen, was Du schreibst (und anziehst)!;-)

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  3. .meike sagt:

    Hallo und frohes neues Jahr!
    Ich lese deinen Beitrag erst heute und freue mich sehr! Danke!
    Viele Grüße
    Meike

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