Wollhersteller im Sonntagsporträt – Ökologisch Stricken

Wie inzwischen bekannt, möchte ich gerne mehr über die Materialien wissen, mit denen ich handarbeite, schöne Farben und weiche Haptik sind keine Hauptkriterien mehr für mich. Das ist eine Entwicklung bei mir, kein moralischer Anspruch, aber genau wie bei Lebensmitteln, wo ich auch die ohne die vielen E-s bevorzuge, möchte ich gute Qualität aus guter Produktion, und denke, dass das auch geht ohne Tierqual, sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen und Umweltsauereien.

Jedenfalls ist dieser Wunsch in mir entstanden nach solch ökologisch sinnvollerer Wolle (& Stoffen, Fasern & Garnen, dazu später…) zu suchen und möglichst oft auch bei Fasrigem&Textilem so nachhaltig wie situativ möglich einzukaufen. Dazu schaue ich mir Wollfabrikanten und Verkäufer jetzt näher an, probiere immer wieder neue Garne aus, und möchte meine ganz subjektiven Erfahrungen damit gerne mit Euch teilen. Denn die Zahl der Konsumenten, auch im Handarbeitsbereich, wächst, die wissen will, wie das hergestellt wird, was später auf der Haut getragen wird.

Als sonntägliche kleine Lesereihe werde ich deshalb ab sofort hier ein bisschen was zum Thema posten und wünsche Euch viel Spaß damit:

Folge 1-Ökologisch Stricken, Garne mit GOTS-Label:

Manch einer wundert sich, was an Wolle denn überhaupt problematisch sein soll, ist es doch ein „nachwachsender“ Rohstoff, für den kein Tier sterben muss…so ähnlich hab`ich früher auch gedacht, weil eben nicht wirklich nachgedacht oder gewusst, wie Wolle, egal ob für Textilien oder HobbystrickerInnen, produziert wird. Grob gesagt für Deutschland: in der überwiegenden Menge mittels Massentierhaltung und großer Fabriken, auch die Mehrheit der bei uns käuflichen Handstrickgarne werden global produziert und gehandelt, mit allen in Industrieproduktionen üblichen Risiken zu Lasten von Mensch, Tier und Umwelt, und bisher sind nur wenige Unternehmen, kleinere Firmen mit besonderer Ideologie, und hier und da traditionelle Produktionsweisen Garanten für nachhaltige Wollproduktion. Aber es gibt sie.

Leider gibt es allerdings auch ein großes Informationsdefizit, und erst in letzter Zeit werden Garne auch unter dem Ökoaspekt vermarktet. Wie in anderen Bereichen auch, muss der Verbraucher oft auf Werbeaussagen vertrauen und kann diese kaum überprüfen – das gilt leider allgemein. Einzige Sicherheit bisher sind die sog. Bio-Label, die aber immer das Problem in sich birgen, dass man für sie bezahlen muss, warum einige Firmen sie verständlicherweise scheuen. Das „Königssiegel“ unter den mannigfachen Labeln ist das GOTS-Siegel“ – der „Global Organic Textil Standard“ zertifiziert als einziges Label die gesamte Produktionskette, von der kontrolliert biologischen Tierhaltung bis zum Spinnen und Färben und bezieht auch eine Prüfung der Arbeitsbedingungen mit ein.

Ich möchte zu Beginn meiner Reihe deshalb einfach mal berichten, welche Garne mir mittlerweile als GOTS-zertifizierte Wolle bekannt sind, und Euch empfehlen, hier als erstes zu schauen, ob nicht eins der Garne für das gerade geplante Projekt taugt:

  1. ROSY GREEN WOOL – Ja, die Garne von Rosy Stegmann sind immer noch an erster Stelle zu nennen, seit 2012 bietet die passionierte Strickerin als Ergebnis ihrer eigenen Suche Bio-Merinowolle, sehr kuschelig und ohne „superwash“ maschinenwaschbar, in verschiedenen Stärken und Farben an, nach eben diesem hohen Standard, sie beweist einfach, dass artgerechte Tierhaltung und umweltverträgliches Färben kein Ding der Unmöglichkeit sind, die Garne sind m.E. unbedingt empfehlenswert. Auch Sonderfärbungen und Wolle bedrohter Schafrassen sind immer wieder im Angebot, am Besten abonniert man den Newsletter, um auf dem Laufenden zu sein: www.rosygreenwool.de
  2. GGH-Garne – Im Bereich Baumwollgarne hat GGH (bekannt durch die Zeitschrift „Rebecca“) sich einen kleinen Teil der Produktion GOTS-zertifizieren lassen – das gilt meines Wissens für die Garne „Cottonea“ & „Silka„(BW mit Seidenanteil), die ich selbst in einem Berliner Laden entdeckt habe, das ist aber schon zwei Jahre her. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob die Zertifizierung fortgeführt bzw. auf weitere Garne erweitert werden soll. Außer bei Händlern vor Ort findet man die Garne auch im Rebecca-Onlineshop.
  3. SCHOELLER + STAHL AUSTERMANN, die unternehmenstechnisch übrigens zusammengehören, haben sich speziell Gedanken zum Thema „Superwash-Ausrüstung & Alternativen“ gemacht, denn bei diesem weit verbreiteten Verfahren wird die Wolle mit Chlor behandelt und setzt auch in die Umwelt chlorhaltige Verbindungen frei, warum man als Strickerin auf Superwashgarne wirklich verzichten sollte. Schneller&Austermann haben im sog. EXP-Verfahren eine deutlich umweltschonendere Methode gefunden, die sie bei bestimmten Garnen nun einsetzen. (Vorsicht, nicht bei Allen!) GOTS-zertifiziert ist z.Zt. ein einziges Garn: FEY von Austermann, eine Schurwolle-Alpaka-Mischung. Die 12 EXP-Garne sind dank einer übersichtlichen Webseite auch gut zu finden, wünschenswert, wenn sie nicht nur von der Verarbeitung her, sondern auch von den Rohfasern her nachhaltig und tierleidfrei wären, z.B. die Merino, genaue Angaben dazu finden sich leider nicht.  www.schoeller-wolle.de
  4. VEGARN – Ägyptische Bio-Baumwolle „Fair Cotton“ mit GOTS-Siegel…der Rest des Sortiments ist vegane Wolle, also pflanzlichen Ursprungs, aber nicht GOTSzertifiziert. www,vegarn.eu

So üppig ist die Ausbeute nicht, nicht wahr? Natürlich werben noch eine ganze Reihe weiterer Firmen mit Begriffen wie „Ökogarn“ oder „ecoline“, nur geschützt sind diese Begriffe eben leider nicht, so dass man getrost davon ausgehen kann, dass Herr Pascuali, ein „Schafpatenprojekt“ oder die Fa. Jamieson& Smith  damit ganz andere Wolle beschreiben als z.B. Lana Grossa, und leider leider kann man einfach nicht sicher sein, was man wo bekommt. Um die sog. Biogarne von LG mal als Beispiel zu nehmen, wo sie sich von GGH-Garnen unterscheiden:

-kein GOTS, bestenfalls, nicht immer, „Textiles Vertrauen“-Siegel, was nichts über Produktion sagt, sondern nur die Schadstoffärme im Endprodukt besiegelt.

-Begriff „Bio“ ungeschützt, Frage welcher Biostandard muss hier erfüllt sein? EU-Bio??

-Beispiel Bändchengarn „California„- das Bändchen wurde mit Bio-BW produziert, das ist prima, aber was ist mit dem Seidenanteil, welche Seidenart, wo kommt die Seide her etc.?

-und nicht zuletzt: kann ein mit GOTS-Garnen vglbares Garn am Ende 3,95€ kosten?

Soll jetzt nicht heißen, dass Biogarne von LG nicht bio sind oder nicht die bessere Alternative zur üblichen Produktion – wenn man LG kauft, wären diese Sorten im Sinne der Nachhaltigkeit sicher schon besser als die normale Palette – aber bedauerlich ist einfach, dass ich als Kunde viel zu wenig darüber in Erfahrung bringen kann.

Letztlich bleibt tatsächlich nur ständiges Abwägen zwischen verschiedenen Garnen – nehme ich für diese Wandersocken doch noch mal ein Superwashgarn, während die Sommersöckchen, die weniger strapaziert werden, mindestens mit EXP-Wolle gestrickt werden? Was finde ich persönlich so schlimm oder welche Firma ist so wenig auskunftsfreudig, dass ich sie einfach nicht mehr nehmen mag? Bei welcher habe ich Vertrauen, obwohl sie mir auch kein GOTS-Siegel anbietet?

Ideal ist da noch nix, aber deutlich besser geworden. Darüber werde ich Euch weiter berichten und einfach mal hier im blog aufschreiben, was ich inzwischen so über einzelne Hersteller in Erfahrung bringen konnte. Abwägen muss eh jede/r selbst. Aber nur wenn wir Wissen und Erfahrungen austauschen, haben wir als Wollkonsumenten überhaupt die Chance so eine Abwägung und eine Kaufentscheidung zu treffen, bei der wir mehr bedenken als die Farben und „ist sie auch schön weich?“!

 

 

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11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Da ich viele Socken stricke, würde mich ein Artikel über fair hergestellte Sockengarne interessieren. Das könnte ich natürlich auch selbst recherchieren, aber wenn du eh noch mehr zum Thema schreiben wirst… 😉 Bis dahin kann ich erstmal meine Vorräte verstricken.

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    1. strickspleen sagt:

      Meinst du nur fair oder öko oder beides? Naja, Du kannst Dir denken, allein angesichts „superwash“ kein ganz einfaches Thema, denn außer den in meinem ersten Artikel erwähnten Sockengarnen nach EXP-Verfahren sind die allermeisten doch mit Superwash ausgerüstet und das ist leider sehr wenig „öko“.

      Du könntest vllt. die Cheeky Merino Joy von RosyGreenWool probieren, ob sie als Sockenwolle taugt – hab ich selbst noch nicht dazu genommen, weil ich Merino für Socken eh nicht so mag, aber das ist ja unterschiedlich. Die ist nämlich auch ohne Superwashverfahren waschmaschinentauglich – sonst wäre Biowolle gefragt, die aber entweder nicht in die Maschine darf, oder du hast Wolle, die sonst okay ist, wie die Opal-SoWo aus dem Schafpatenprojekt z.B., aber doch wieder „superwash“ behandelt ist.
      Mal schauen, da ich neuerdings ja auch Socken stricke, würden mich gute Quellen selbst interessieren, Dein Themenvorschlag fällt also auf „fruchtbaren Boden“,
      lieben Dank für Deinen Kommentar!

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      1. Da hat man wohl die beste Auswahl, wenn man selbst spinnt.

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  2. Katha sagt:

    Ein sehr spannendes Thema, mit dem ich mich bisher viel zu wenig beschäftigt habe! Ich freue mich schon auf die kommenden Sonntage!

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    1. strickspleen sagt:

      Upps, meine Antworten zu Euren Kommentaren sind nicht da, sorry, wie ist das denn passiert!?
      Ich kann nichts versprechen, wird auch bestimmt nicht jeden Sonntag klappen, aber ich bemühe mich. Der zweite Blogartikel ist heute raus, danke Dir für`s Kommentieren!

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  3. madameflamusse sagt:

    Kennst Du schon unser Projekt? https://naturwolle.wordpress.com/ vielleicht magst du mal vorbeischauen. Ich sammle hier sporadisch. Auch Gastartikel sind herzlich Willkommen.

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    1. strickspleen sagt:

      Ja, hab Euch auch schon verlinkt. Hatte immer Kontakt mit Anyusha v. dunkelbunt-blog. Habe aber schon gesehen, dass Ihr Einiges Neues habt, seit ich Euch zuletzt besucht habe und will das auch noch mal „Prominenter“ bei mir posten…hätte mich deshalb noch in Verbindung gesetzt. Erstmal bin ich mit meiner eigenen Blogrenovierung noch gut beschäftigt, aber wir sollten uns unbedingt vernetzen, ja! Finde Eure Seite & Euer Engagement ganz prima!!

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      1. madameflamusse sagt:

        Ja gerne, ist halt auch ein sporadisches Projekt, leider, eben wg der Zeit.. aber generell ist es mir sehr wichtig und vernetzung find ich auch so wichtig! 🙂

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      2. strickspleen sagt:

        Ihr findet den Naturwolle-blog jetzt auch zum direkt anklicken auf meiner Seite „Öko-Garne“ , oben rechts

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  4. Papiliorama sagt:

    Ich finde Deine Reihe(?) sehr interessant und freue mich über kommende Folgen.
    Ich habe im letzten Jahr Wolle von fairalpaka verstrickt und finde deren Ansatz sehr spannend. Inzwischen haben sie ja neben Alpakawolle auch Merino und andere Wollen im Angebot, welche ebenfalls bewusst erzeugt wurden.
    Bei Spinnfasern achte ich eher darauf, woher meine Fasern kommen. Die beziehe ich sowieso über Onlinekontakte und bevorzuge dann lokale Erzeuger und kleinere Betriebe. Bei Kaufwolle erliege ich leider meinem Wahn und kaufe im Geschäft, was mir am Besten gefällt.
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. strickspleen sagt:

      Kompromissfrei kauft niemand, ich erlaube mir z.B. im Urlaub auch mal Blindeinkauf in einem schönen Wolladen, sonst verdirbt man sich ja selbst jeden Spaß. Fairalpaka habe ich auch schon gekauft, bei mir gab`s interessanterweise große Unterschiede zwischen DK und Fingerring, die DK hat leider sehr gefusselt und gepillt, aber der Ansatz des Unternehmens ist gut, auch wenn man`s nicht wirklich überprüfen kann. Aber das kann man bei anderen Firmen eben auch nicht. Ich habe vor, noch zu FairAlpaka zu schreiben.

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