Wollhersteller im Sonntagsporträt – Ökologisch Stricken

Heute: 1.) wie AURANCIA YARNShttps://www.facebook.com/AraucaniaYarns/

Selbstauskunft: „Araucaria Yarns take inspiration from ancient South American crafts created with hand-painted natural yarns. Each hank is different & individual -yarn art!

Aurancia Yarns, das war eine Gruppe von Designern und Kunsthandwerkern aus Santiago de Chile, die sich der alten Tradition des Handfärbens für Strick- und Webarbeiten verschworen hatten – mit der Absicht besonders exklusive Garne mit unverwechselbarem Stil zu kreieren. Dabei wurde bewusst mit alten Techniken und erklärtermaßen (in Bezug auf meinen lzt. Beitrag: kein Siegel!) nur mit Naturgarnen gearbeitet. Schließlich garantierte der handwerkliche und traditionelle Prozess, dass jeder Strang Wolle unterschiedlich war, ein echtes Unikat – eine Individualität, die in Zeiten industrieller Wollproduktion verloren zu gehen drohte, selbst Hobbyfärberinnen streben immer mehr Perfektion und Gleichmäßigkeit an. In Chile werden bis heute Färbetechniken von Generation zu Generation mündlich überliefert, und das versuchte die Fa.Aurancia durch die Beschäftigung traditionell versierter Handfärberinnen aufrecht zu erhalten. Jeder Färber/in mischte die Farben in seinem Kessel im eigenen kreativen Sinne, und mit einem Wachstum von ursprünglich drei (2002) auf über 20 Beschäftigte in 2010 wurde eine Art „neue Generation KunsthandwerkerInnen“ geschaffen, die mit Aurancia Yarns auch einen regelmäßigen Erwerb und eine gewisse soziale Sicherheit bekommen. Es handelte sich also um ein relativ kleines, sozial engagiertes, regionales Unternehmen, dass dennoch weltmarktorientiert mit besonderen Garnen Fuß fassen konnte.

Soweit die Geschichte bis vor kurzem. Leider haben sich die die Gründerinnen (Nora Bierschwale, Michelle Bossier u.a.) inzwischen aus dem Geschäft zurückgezogen, und ich als Käufer kann nun nicht mehr in Erfahrung bringen, was genau ich als „Aurancia Garn“ heute bekomme. Es heißt nur, dass Araucania-Garne heute in Italien und Peru nach alter Tradition handgefärbt werden und dass die Farbgebungen immer noch nach den „Vorgaben der Gründerinnen“ vorgenommen werden, Informationen zum Roh-Material konnte ich aber nicht bekommen.

Warum ich Euch das erzähle? Weil es ganz typisch ist für die „Wollszene“ – was heute gilt, kann morgen schon wieder anders sein, Informationen bedürfen mühsamer Recherche und sind trotzdem nie eine Garantie für irgendwas.
Das jetzt auch, weil ich wieder Anfragen hatte mit dem Tenor „sag Du mir, was ich kaufen soll, aber bitte 100% tierleid- und chemiefrei, am Besten aus Deutschland und für mein Projekt optimal geeignet.“ Leute, das kann ich nicht, und das ist auch nicht die Intention dieser kleinen Blogartikel. Ich möchte für mich als Gedächtnisstütze lediglich die spärlichen Informationen, die man über die (meisten, vor allem größeren) Wollhersteller kriegen kann, zusammentragen und mit Euch teilen …und wenn Ihr ergänzend noch was wisst, immer her damit! Damit es einen Ort gibt, wo man mal nachgucken kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich besitze z.B. ein einziges Knäul Aurancia Botany Lace mit einer noch nicht mal spektakulären Färbung, das ich mir mal aus London mitgebracht habe, weil ich für eine damalige Projektidee ein nicht allzu wild buntes Garn suchte und Aurancia wegen des „Naturwollimage’s“ längst mal ausprobieren wollte. Hab ich insofern, als dass ich eine Maschenprobe gemacht habe. Dabei gefiel mir die Wolle gut – weich, kein großes Ausbluten oder Ausleiern nach dem Waschen….ob sie aber Euch gefällt, ob ihr aus ökologischen Gründen grundsätzlich Wolle aus Südamerika kaufen wollt, oder oder, müsst Ihr natürlich selbst entscheiden. (Und gerne, sofern Ihr Zeit dazu findet, auch selbst einmal an die Hersteller schreiben, denn nur dann kann sich was tun im Sinne „bessere Wolle für Alle“!)

Ich schildere Euch aber meine Erfahrungen und meine, manchmal auch noch vorläufigen, Einschätzungen und Meinungen zu der von mir benutzten Wolle. Manchmal ist es auch nur Wolle, die auf meinem Einkaufszettel steht, aber noch nicht finanziell drin oder für mich erhältlich war. Vllt. passte sie auch einfach noch zu keinem Projekt. Okay?

Grundsätzlich finde ich übrigens, dass Südamerika trotz der Entfernung schon mal eine bessere Adresse als Australien ist, jedenfalls wenn es einem hauptsächlich um Alternativen für Merinowolle also um „statt-Mulesingwolle“ geht. Weshalb auch bei großen Firmen inzwischen gerne mal Merino aus Peru oder anderen südamerikanischen Staaten bezogen wird, obwohl der Feinheitsgrad nicht ganz so ist wie bei australischer Wolle mit fast unschlagbaren 18 micron, aber das vorerst nur am Rande.

Eine andere sozial engagierte und als kleine Produktion entstandene Firma, die meines Wissens auch noch so existiert, ist 2.) z.B. ARTESANO…auch Buchstabe A, und manchen durch die gemeinnützige Organisation „ManosdelUruguay“ bekannt, für die Artesano den Vertrieb in Europa übernommen hat.


Artesano Ltd. ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Reading, England. Die Firma bietet hochwertige Garne aus reinem Alpaka und Mischgarne aus Wolle oder Seide mit Alpaka an. In England sind die Garne bereits sehr beliebt, bei uns in Deutschland noch eher ein „Geheimtipp“, ich selbst habe sie schon befühlt und für interessant befunden, aber leider noch nicht verstrickt.
Die Firma wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, hochwertige Garne und Strickprodukte aus zuverlässigen Quellen unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze zu beziehen. Artesano achtet besonders darauf, dass sie nur mit Kooperativen oder Firmen zusammenarbeiten, die ihre Angestellten mit Respekt behandeln, keine Kinderarbeit zulassen und angemessene Löhne zahlen.Der Schwerpunkt liegt also auf dem „Fairtrade„-Aspekt, gleichwohl wird nach eigenen Angaben auch nur „natürliche Faser“ als Rohmaterial verwendet, was bei der Alpakawolle allein wegen den Halte-und Produktionsbedingungen in Peru und Uruguay in kleinen Betrieben grundsätzlich glaubhaft ist. Manos z.B. hat überdies die Vollmitgliedschaft in der World Fair Trade Organisation, was weltweit nur für einige hundert Firmen (jetzt nicht Wolle, sondern branchenweit) gilt und in sofern schon etwas Besonderes und Unterstützenswertes ist. Da die Kooperative speziell Arbeitsplätze für Frauen sichert, ist sie auch in feministischen Kreisen keine Unbekannte. Auch die anderen Geschäftspartner sind zu fairen Arbeitsverhältnissen verpflichtet, Artesano überprüft die Betriebsstätten und Partner nach eigenen Angaben regelmäßig. Auch wenn hier ebenfalls keine offiziellen Siegel wie GOTS für den Verbraucher einen Vergleich ermöglichen, scheint mir ein Unternehmen wie Artesano dennoch gute Alternativen an Garnen jenseits dem konventionellen Industriestandard zu bieten. Folgende Erklärung findet sich auf der Firmenphilosophie-Seite:

Our yarns are all made using natural fibres from fleeced animals.

Animal welfare is important to us and we are anti-mulesing. 

ROur products are all sourced from suppliers that share our values, 

treat their staff with respect and fair pay and do not employ child labourers.

In Deutschland findet man Artesano-Produkte sowie die Garne von Manos z.B. bei umgarnt.de oder der „Wollschmiede

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